Der Harburger Integrationsrat (HIR) setzt sich für ein vielfältiges, demokratisches und solidarisches Zusammenleben im Bezirk Harburg ein. Dieser Tätigkeitsbericht gibt einen Überblick über die Projekte, Veranstaltungen und laufenden Aufgaben des Jahres 2026 – und macht den erheblichen ehrenamtlichen Einsatz unserer Mitglieder sichtbar.
Neben der Durchführung eigener Projekte engagiert sich der HIR in der Gedenkarbeit, in der Kultur, in der politischen Vernetzung, in der Integrationsarbeit sowie in der Beratung von Bürgerinnen und Bürgern. Die folgenden Beispiele zeigen exemplarisch, was im Jahr 2026 umgesetzt wurde.
Die Erinnerungsarbeit ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit. Durch Gedenkveranstaltungen, Stolpersteine und die Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen trägt der HIR dazu bei, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.
Im Frühjahr 2025 hatten wir die Patenschaft für einen Stolperstein beantragt; im Herbst erhielten wir die Nachricht, dass dieser im Mai 2026 verlegt werden sollte. Daher schlossen wir uns der Veranstaltung der „Omas gegen Rechts“ am 8. Mai 2026 an, unterstützten sie mit 500 € Raummiete aus unserem Unterstützungsfonds und trugen dort einen Text zum Thema vor. Wie in jedem Jahr beteiligten wir uns außerdem am Stolpersteinputzen zum Tag der Befreiung am 8. Mai. Am 10. Mai nahmen wir zudem an der Lesung zum Gedenken an die Bücherverbrennung teil.
Nachdem der Künstler Gunter Demnig erkrankte, wurde die Steinlegung auf unbestimmte Zeit verschoben. Als neuer Termin ist der 15. August 2026 am Vormittag vorgesehen. Der Stolperstein wird am Schloßmühlendamm 32 – in unmittelbarer Nähe zu unserem Büro – in Gedenken an Richard Salomon verlegt, der nach schweren Misshandlungen in Haft am Tag nach seiner Freilassung verstarb.
Bei der Veranstaltung der „Omas gegen Rechts“ ging es um die Täter der sogenannten Euthanasie-Verbrechen. Bei unserer eigenen Gedenkveranstaltung am 27. November 2026 stehen hingegen die Opfer im Mittelpunkt – in diesem Jahr sollen insgesamt zwölf Stolpersteine für Harburger Euthanasie-Opfer verlegt werden.

Wie in jedem Jahr nehmen wir am Gedenkspaziergang zum Synagogendenkmal teil, der regelmäßig am 10. November stattfindet. Dort legen wir einen Kranz nieder.

Kulturelle Veranstaltungen schaffen Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und fördern den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der Harburger Integrationsrat beteiligt sich deshalb regelmäßig an bestehenden Kulturveranstaltungen und entwickelt darüber hinaus eigene Formate.
2026 hat der HIR erstmals an der Südlese teilgenommen. Ein HIR-Mitglied sowie ein ständiger Gast des HIR – beides geflüchtete Journalisten – haben Reportagen über das Ankommen in Harburg verfasst und sind darüber mit dem Publikum ins Gespräch gekommen. Dazu gehörten das Schreiben der Reportagen, die Organisation des Veranstaltungsraums, Übersetzungen sowie Auf- und Abbau.
2026 nimmt der HIR zum zweiten Mal an der Südkultur Music Night teil. Unser Ziel ist es, die Diversität der Besuchenden zu erhöhen, indem wir unser Angebot gezielt an Unterkünften bewerben, Menschen dort abholen und zur Location bringen. Dahinter stehen das Casting von Acts, die Organisation von Bühne und Technik, Auf- und Abbau, die Kommunikation mit Künstler:innen, Kooperationspartner:innen und der Südkultur, das Kleben von Plakaten und das Verteilen von Flyern – und am Veranstaltungsabend sechs Personen vor Ort für Tür, Bar und Awareness.
Im August starten wir mit der ersten HIR-Fensterparty – daraus soll eine Veranstaltungsreihe werden. Die Idee: jungen Musiker:innen mit Migrationshintergrund eine kostenlose Bühne bieten. Zugleich nutzen wir die Gelegenheit, vielfältige Acts für unsere anderen Angebote zu entdecken und ein Netzwerk aufzubauen. Dazu gehören Werbemittelproduktion und -verteilung, das Casting von Acts, der Einkauf von Softdrinks, die Organisation der Veranstaltungstechnik sowie Auf- und Abbau mit zwei bis drei Personen vor Ort.
Erstmals hat der HIR in diesem Jahr ein eigenes Sport-Event veranstaltet und damit eine völlig neue Community angesprochen – insbesondere Menschen aus Indien, Pakistan und Afghanistan. 35 Personen nahmen aktiv teil, rund 120 Zuschauende waren dabei. Von der Hallenmiete über Werbeplakate, Leihschläger und Federbälle bis zu Ablaufplan, Schiedsrichtern, Medaillen, Pressearbeit und Verpflegung lag die gesamte Organisation in ehrenamtlicher Hand.


Der Harburger Integrationsrat versteht sich als Brücke zwischen Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung. Durch Vernetzung, Dialogformate und eigene Initiativen bringt er die Perspektiven von Menschen mit Migrationsgeschichte in politische Prozesse ein und fördert den Austausch zwischen den Akteuren im Bezirk.
Im Zuge der Kürzungen haben wir uns mit Initiativen aus der Integrationsarbeit in Harburg vernetzt und Einzel- sowie Gruppentreffen organisiert. Gemeinsam mit den Initiativen haben wir die „Harburger Erklärung“ verfasst, an die Bezirksversammlung verschickt und anschließend das Gespräch mit den Fraktionen gesucht.
Darüber hinaus haben wir einen Runden Tisch „Kürzungen“ organisiert, um unterschiedliche Akteure miteinander ins Gespräch zu bringen. Von der Recherche der Ansprechpartner:innen über Verteiler, Raumorganisation, Layout und Pressemitteilungen bis zur Nachbereitung und Planung von Folgeterminen war dies über Monate hinweg kontinuierliche ehrenamtliche Arbeit.

Die jährliche Integrationskonferenz findet in diesem Jahr am 13. November im Kulturpalast statt. Dahinter stehen ein eigener Arbeitskreis, Themenfindung, Raumsuche, Ablaufplanung, die Recherche geeigneter Keynote-Speaker, Catering, Werbematerialien, Pressearbeit sowie Fotos, Reels und Social Media. Für alle eigenen Veranstaltungen benötigen wir zudem eine Veranstaltungsversicherung.

Neben einzelnen Projekten übernimmt der HIR dauerhaft Aufgaben, die für seine Arbeitsfähigkeit und die Vertretung der Interessen von Menschen mit Migrationsgeschichte im Bezirk notwendig sind. Diese kontinuierliche Arbeit bildet die Grundlage für alle weiteren Aktivitäten.


Der Harburger Integrationsrat bietet regelmäßig niedrigschwellige Angebote an, die der Beratung, Begegnung und Integration dienen – vollständig ehrenamtlich getragen.
Seit September 2024 bieten wir jeden Donnerstag von 17:00 bis 19:00 Uhr eine offene Sprechstunde in der Bücherhalle Harburg an. Wöchentlich sind ein bis zwei Mitglieder vor Ort, um mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen, Fragen zu beantworten und bei Anliegen zu unterstützen. Durch die Vielfalt unserer Mitglieder können wir oft in der Muttersprache beraten. Das Sprechstunden-Team tauscht sich regelmäßig über einen Chat zu den Beratungsinhalten aus und entwickelt das Angebot kontinuierlich weiter.

Seit Januar 2025 besuchen wir einmal monatlich eine Harburger Unterkunft und verbringen dort zwei Stunden mit Jugendlichen und Erwachsenen bei gemeinsamen Gesellschaftsspielen. Ziel ist es, mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ins Gespräch zu kommen, sie bei ihren Anliegen zu unterstützen, Begegnungen zu schaffen und niedrigschwellige Integrationsangebote zu ermöglichen.
Die kontinuierliche Qualifizierung unserer Mitglieder verbessert die Beratungsangebote und baut neue Kompetenzen auf. Im September findet ein ganztägiger Ziele-Workshop für alle Mitglieder statt, geleitet von Coach Frau Professor Dr. Schreyögg; gemeinsam werden Ziele überprüft, weiterentwickelt und Prioritäten festgelegt. Teammitglieder nehmen zudem an Kami-Kursen teil, um die Beratung weiter zu verbessern. Darüber hinaus bilden sich einzelne Mitglieder eigenständig fort – etwa in Grafikdesign, in der Sprachweiterbildung oder zum Thema „Geflüchtete als Chance“.
Neben eigenen Projekten beteiligt sich der HIR regelmäßig an öffentlichen Veranstaltungen im Bezirk. Dadurch werden Kontakte geknüpft, der Bekanntheitsgrad erhöht und der Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern gefördert:


Mit dem Ausbau unserer Arbeit steigt der organisatorische Aufwand kontinuierlich. Zur Entlastung des ehrenamtlichen Vorstandes wurde daher eine Geschäftsstelle im Rahmen eines Minijobs eingerichtet. Sie leitet eingehende E-Mails während der Sprechzeiten weiter (zweimal wöchentlich), bietet dienstags eine Online-Sprechzeit und ist donnerstags im Büro präsent, sortiert E-Mails nach Themen, unterstützt bei Vorbereitung und Durchführung der Integrationskonferenz, erstellt Sitzungsprotokolle, hilft bei Abrechnungen, dokumentiert Telefonate und betreut Ehrenamtliche.

Neben den laufenden Aufgaben plant der Harburger Integrationsrat bereits mehrere neue Projekte und Veranstaltungen für das Jahr 2027. Ziel ist es, bestehende Formate weiterzuentwickeln und neue Begegnungsorte für Menschen im Bezirk zu schaffen.

Die Arbeit des Harburger Integrationsrates wird nahezu vollständig ehrenamtlich geleistet. Der HIR besteht derzeit aus 17 stimmberechtigten Mitgliedern. Für jedes Mitglied entsteht ein Mindestaufwand von rund 15 Stunden pro Monat – etwa 3,3 Stunden pro Woche: Sitzungen (ca. 4 Std./Monat), allgemeine Kommunikation (ca. 4 Std./Monat), Teambuilding (ca. 4 Std./Monat), Ausschussarbeit, Veranstaltungen (ca. 2 Std./Monat) sowie Fortbildungen (ca. 12 Std./Jahr).
Hinzu kommen die Aufgaben des Vorstands (Sitzungsvorbereitung ca. 2 Std./Monat, laufende Abstimmungen ca. 10 Std./Monat, Kommunikation mit Team und Netzwerkpartnern je ca. 4 Std./Monat), des Schatzmeisters (monatliches Treffen mit der Buchhaltung ca. 2 Std., Abstimmung zu Abrechnungen ca. 2 Std./Monat), des Presseteams (Social Media ca. 8 Std./Monat, Pressearbeit ca. 2 Std./Monat), der Arbeitskreise (durchschnittlich sechs Mitglieder mit je rund drei Stunden monatlich), der Sprechstunden (vier pro Monat à 2,5 Stunden zuzüglich rund einer Stunde Austausch im Teamchat) sowie des Spieleabends (vier Mitglieder mit je rund zwei Stunden monatlich).
Ab dem Jahr 2027 wird der zeitliche Aufwand voraussichtlich weiter steigen, da zusätzlich ein monatlicher Teamtermin sowie eine öffentliche „Mini-Integrationskonferenz“ geplant sind.
Ab dem Jahr 2027 entfällt die Prozessbegleitung durch die Lawaetz-Stiftung. Die Integrationsfachkraft des Bezirksamtes übernimmt künftig als Ansprechperson für den HIR unter anderem folgende Aufgaben:
Die dargestellten Projekte, Veranstaltungen und laufenden Aufgaben geben einen Einblick in die vielfältige Arbeit des Harburger Integrationsrates im Jahr 2026. Neben einzelnen Veranstaltungen gehören dazu kontinuierliche Aufgaben wie Beratung, Vernetzung, Organisation, Öffentlichkeitsarbeit sowie die Weiterentwicklung der eigenen Strukturen. Diese ehrenamtlich getragene Arbeit soll auch künftig verlässlich fortgeführt werden – für ein vielfältiges, demokratisches und solidarisches Harburg.