Aus genau diesem Selbstverständnis heraus nehmen wir die aktuell geplanten Kürzungen bei Geflüchteten-Mehrbedarfen und bei den Sozialräumlichen Integrationsnetzwerken mit großer Sorge wahr. Diese Kürzungen sind aus unserer Sicht ein falsches Signal und sie treffen ausgerechnet die Bereiche, die für Stabilität, Orientierung und gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgen.
Bei den sogenannten Mehrbedarfen und den SIN-Mitteln geht es nicht um freiwillige Zusatzangebote oder kurzfristige Projekte. Es geht um niedrigschwellige, sozialräumlich verankerte Unterstützung wie Beratungs-, Begleitungs-, Bildungs- und Freizeitangebote sowie konkrete Hilfe für Kinder, Jugendliche und Familien – oft direkt in und um Unterkünfte herum. Wenn diese Mittel gekürzt werden, bricht nicht nur ein Angebot weg, sondern ein Stück Alltagssicherheit. Für viele Menschen bedeutet das weniger Unterstützung, weniger Ansprache und mehr Unsicherheit.
Hamburgweit leben zahlreiche Kinder und Jugendliche mit Fluchtgeschichte in Unterkünften oder in prekären Wohnsituationen. Diese Lebenslagen sind bereits von Belastungen geprägt. Kürzungen in diesem Bereich verschärfen diese Situation zusätzlich. Probleme werden nicht gelöst, sondern verlagert in Schulen, Nachbarschaften, Jugendhilfeangebote und Beratungsstellen. Am Ende entstehen höhere soziale Folgekosten und mehr Konflikte im Quartier.
Besonders kritisch sehen wir den Zusammenhang mit den gleichzeitig diskutierten Kürzungen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie in der Jugendhilfe insgesamt. Träger, Fachkräfte und Verbände weisen seit Monaten darauf hin, dass die soziale Infrastruktur massiv unter Druck gerät. Wenn Angebote wegfallen oder Personalstellen gestrichen werden, gehen Beziehungen verloren, Vertrauen bricht weg und präventive Arbeit wird unmöglich. Gerade Kinder und Jugendliche brauchen Verlässlichkeit, Kontinuität und sichere Orte, unabhängig davon, ob sie eine Fluchtgeschichte haben oder nicht.
Als Harburger Integrationsrat sagen wir klar: Integration gelingt nicht durch Absichtserklärungen oder Leitbilder allein. Integration gelingt durch stabile Strukturen, durch Fachkräfte mit Zeit und Handlungsspielraum und durch Angebote, die Teilhabe ermöglichen und Konflikten vorbeugen. Wer hier kürzt, schwächt nicht nur einzelne Projekte, sondern den sozialen Zusammenhalt im gesamten Bezirk.
Vor diesem Hintergrund begrüßt und unterstützt der Harburger Integrationsrat ausdrücklich den Antrag „Rücknahme bereits erfolgter Kürzungen bei Geflüchteten-Mehrbedarfen und SIN-Mitteln – Angebote im Bezirk Harburg sichern“, der in der Harburger Bezirksversammlung einstimmig beschlossen wurde. Der Antrag stellt klar fest, dass im Zuge der Haushaltsaufstellung 2026 sowie durch unterjährige Finanzierungsentscheidungen Mittel im Bereich der Geflüchteten-Mehrbedarfe und der Sozialräumlichen Integrationsnetzwerke bereits reduziert oder nicht bedarfsgerecht fortgeschrieben wurden. Dies hat konkret zu Einschränkungen bestehender Angebote, verkürzten Laufzeiten und erheblichen Planungsunsicherheiten bei den Trägern geführt. Dabei handelt es sich um niedrigschwellige, sozialräumlich verankerte Angebote in und um Unterkünfte sowie in angrenzenden Quartieren, die einen zentralen Beitrag zur sozialen Stabilisierung und Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Familien und zur Entlastung der sozialen Infrastruktur im Bezirk führen. Die im Antrag benannte Annahme, dass entsprechende Mehrbedarfe entfallen seien, entspricht nicht der realen Situation in Harburg. Unterkünfte sind weiterhin stark belegt und soziale sowie psychosoziale Unterstützungsbedarfe bestehen unverändert fort. Der Wegfall oder die Reduzierung dieser Angebote wirkt sich unmittelbar negativ auf Integration, Teilhabe und das Zusammenleben in den Quartieren aus. Der Harburger Integrationsrat sieht sich daher in der Pflicht, die einstimmige Positionierung der Bezirksversammlung zu unterstützen, und fordert ebenfalls, dass der Senat und die zuständigen Fachbehörden die bereits vorgenommenen Kürzungen bei den Geflüchteten-Mehrbedarfen sowie bei den SIN-Mitteln überprüfen und zurücknehmen, um so eine verlässliche, bedarfsgerechte Finanzierung der Angebote im Bezirk Harburg sicherzustellen.
Wir laden den Hamburger Senat ausdrücklich dazu ein, mit uns in den Dialog zu treten. Der Harburger Integrationsrat wird dieses Thema weiterhin in die Gremien tragen und öffentlich begleiten, um im Sinne seines Auftrags Teilhabe, Vielfalt und ein gutes Zusammenleben in Harburg zu stärken.