Das Projekt: MigraNet - Vielfalt in Harburg

Der Harburger Integrationsrates entstand im Rahmen des Projekts "MigraNet". Das Projekt MigraNet ist ein vom Bundesministerium des Innern finanziertes Projekt, welches Strukturen für das politische Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund entwickelt. Das Ziel ist die aktivere Teilnahme in der Kommunalpolitik zu fördern. Dabei stehen die Verbesserung der wechselseitigen Akzeptanz der verschiedenen Kulturen durch Dialog im Vordergrund. Das Projekt MigraNet ist im Bezirksamt Harburg angesiedelt. 

Aufbau eines Gremiums

Eine Arbeitsgruppe hat in mehreren Expertengesprächen die Strukturen, Aufgaben und Kompetenzen eines möglichen Gremiums für den Bezirk Harburg diskutiert und ein Modell entwickelt. Demnach soll die Teilnahme an politischen Strukturen im Bezirk Harburg durch die Bildung eines Integrationsgremiums umgesetzt werden. Durch die Beteiligung von Vertretern des Fachamtes und Einzelpersonen aus dem Bereich Migration und Integration in der Arbeitsgruppe, war die Gestaltung transparent und multilateral. Das Projekt MigraNet möchte durch den Aufbau eines Gremiums, „Vielfalt in Harburg“, das politische und zivilgesellschaftliche Engagement fördern und den interkulturellen Austausch stärken. Das Gremium besteht aus der Integrationskonferenz und dem Integrationsrat.

 

Wer kann im Gremium „Vielfalt in Harburg“ Mitglied werden?

Alle engagierten Menschen im Bezirk können durch die Teilnahme an den Integrationskonferenzen in einen ersten Austausch treten. Nach drei Konferenzen (2013-2014) folgte die Wahl des Integrationsrates (Wahl am 5. Dezember 2014). Jede Person, die im Bezirk Harburg lebt oder arbeitet konnte sich an der Wahl des Rates beteiligen. Eine aus ehrenamtlich bestehende Projektgruppe, welche durch die Integrationsbeauftrage des Bezirks Sarah Heinlin ins Leben gerufen wurde, organisierte in Zusammenarbeit mti den Projektmitarbeiterinnen die Vorbereitung. Die Arbeitsgruppe diskutierte die Teilnahmebedingungen aus und in einem vorherigen Anmeldeprozess wurden die Kandidaten gesammelt und im Internet durch einen Steckbrief vorgestellt.

In der 3. Integrationskonferenz am 19.09.2014 wurden Möglichkeiten und Chancen des Rates in der Bezirkspolitik erörtert.

Die Integrationskonferenezen in den Jahren 2013 und 2014 waren wesentlicher Bestandteil der Vorbereitung für die Wahl des Harburger Integrationsrates am 5. Dezember 2014. An dem Wahltag kamen rund 300 Menschen, die im Bezirk Harburg leben oder arbeiten zum Wählen ins Harburger Rathaus. Neben dem Integrationsbeirat Hamburg, einem Integrationsrat Wandsbek und in Bergedorft, ist der Harburger Integrationsrat allerdings der erste und einzige Integrationisrat in Hamburg, der von Anwohnern des Bezirks gewählt wurde. Die Integrationskonferenzen finden nach wie vor zwei Mal jährlich statt.

Grundsätzlich ist es der Wunsch durch die Harburger Integrationskonferenzen alle Harburger/innen, unabhängig von der Staatsangehörigkeit, dazu einzuladen in diesem Gremium mitzuarbeiten. Wichtig ist das Interesse am Thema Integration und interkultureller Vielfalt. Die Integrationskonferenz ist offen für alle, um den Austausch, die Vernetzung, die Mitsprache und die Verständigung zu fördern. Die Konferenzen erarbeiten Themen für den Integrationsrat (vgl. Abbildung 1). In den ersten beiden Konferenzen (29. November 2013 und 28. März 2014) wurden die Themen Bildung, Arbeit und Wie erlebe ich Harburg? diskutiert.

 

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Abb. 2: Grafische Darstellung des Gremiums „Vielfalt in Harburg“

Infos zum Bezirk

Der Bezirk Harburg ist der südliche Teil Hamburgs und besteht insgesamt aus 17 Stadtteilen. Im Bezirk Harburg haben Zuwanderung und das Zusammenleben von Menschen verschiedener Kulturen eine lange Tradition. Insgesamt leben in diesem Teil Hamburgs rund 156.000 Menschen. Davon haben rund 27.000 Menschen einen ausländischen Pass und knapp 61.000 besitzen einen Migrationshintergrund[1]. Dies entspricht einem Anteil von 39,2% an der Gesamtbevölkerung und liegt damit deutlich höher als der Anteil in Hamburg insgesamt, der 2013 bei 30,8% liegt[2].

Somit hat mehr als jede dritte Person im Bezirk Harburg in unterschiedlicher Form familiären Bezug zu einer anderen Kultur. Diese Zahlen zeigen, dass der Bezirk Harburg von einer besonderen Vielfalt geprägt ist. Und auch zwischen den einzelnen Stadtteilen bestehen große Unterschiede. Es geht aber nicht um Unterschiede und um Nationalitäten.

Im Vordergrund stehen die gesellschaftliche und politische Erkenntnis, die der Integration eine wachsende Bedeutung zukommen lässt. Die Altersgruppe[3], dem überdurchschnittliche Anteil der unter 18-jährigen Menschen mit Migrationshintergrund, verleiht dieser zunehmenden Bedeutung Nachdruck (vgl. Abbildung 2).

 

Abb. 2: Anteil der Jugendlichen unter 18 Jahren

 

Für eine erfolgreiche Förderung der Integration hat der Bezirk Harburg im Jahr 2011 ein übergreifendes Konzept entwickelt. Dieses Konzept identifiziert Herausforderungen und Problemlagen und bestimmt darauf aufbauend Handlungsfelder, die für die Integration von Bedeutung sind. Inhaltlich gliedert es sich in drei Bereiche: Integration durch Bildung, Berufliche Integration und soziale Integration. Aus integrationspolitischer Perspektive findet das Miteinander vor allem auf der Ebene der Stadtteile statt und manifestiert sich in den Kommunen. Deshalb hat es sich der Bezirk Harburg zur Aufgabe gemacht Strukturen  für eine Beteiligung aller Harburger/innen zu schaffen.

Kultureller Austausch

Die Motivation sich politisch zu engagieren entsteht durch die Identifizierung mit dem eigenen Lebensumfeld, im weiteren Sinne mit dem Bezirk. Was will ich verbessern? Was kann verbessert werden? Wie werden Entscheidungen getroffen? Über welche Wege können Entscheidungen beeinflusst werden?

Die Möglichkeit das eigene Interesse und persönliche Anliegen in die Politik zu tragen, entsteht dadurch, dass man Kenntnis von bezirklichen Strukturen hat und politische Ansprechpartner kennt. Diese Möglichkeit der direkten Teilnahme an der Mitgestaltung des eigenen Umfeldes soll mit dem Projekt gefördert werden. Dafür ist es wichtig, Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass es sich lohnt sich für ihr Anliegen zu engagieren, sich zu artikulieren und ihre Stimme in die Bezirksversammlung zu bringen.

Es muss darüber gesprochen werden, dass jeder die Möglichkeit hat an der Politik teilzunehmen und sein Umfeld aktiv gestalten kann. Daher ist es wichtig den Austausch zu fördern und mit diesem Projekt den Menschen die Chance aufzuzeigen, sich politisch Gehör zu verschaffen. Allen soll es ermöglicht werden, thematisch die kommunale Ebene mitzugestalten, besonders denjenigen, die bisher keine politische Partizipationsmöglichkeit haben.

  

 

 

[1] Definition von Personen mit Migrationshintergrund laut Mikrozensus:

  1. Ausländische Staatsangehörige
  2. Deutsche Staatsangehörige mit Migrationshintergrund:
  1. Spätaussiedler
  2. Personen, die durch Einbürgerung die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen
  3. Kinder von Zuwanderern ausländischer Staatsangehörigkeit, die bei Geburt zusätzlich die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten
  1. Personen, bei denen mindestens ein Elternteil ausländischer Staatsangehörigkeit oder Spätaussiedler ist oder die deutsche Staatsangehörigkeit durch Einbürgerung besitzt

                                 

[2] Quelle: Melderegister Stand 31.12.2013 (nur Hauptwohnsitz) ergänzt um Schätzungen mit MigraPro durch das Statistische Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein

 

[3] Der prozentuale Anteil in Altenwerder besitzt aufgrund der sehr geringen Einwohnerzahl in diesem Stadtteil keine Aussagekraft